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Was ist ein Hörfilm?

Filme ohne Bilder sind Alltag für die rund 1,2 Millionen blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland. Die meisten unter ihnen nutzen das Fernsehen als wichtigstes Informations- und Unterhaltungsmedium, brauchen aber zusätzliche akustische Bildbeschreibungen, um die Beiträge „sehen“ zu können.

Ein Hörfilm ist ein Kino- oder Fernsehfilm mit eben solchen zusätzlichen Bildbeschreibungen. In den Dialogpausen vermitteln knappe Erläuterungen die visuellen Elemente einer Szene. Diese Technik, die blinden und sehbehinderten Menschen einen direkten Zugang zu Fernsehen, Kino und Theater eröffnet, nennt sich AUDIODESKRIPTION. Die Idee der Audiodeskription entwickelte Gregory Frazier an der Francisco State University of Creative Arts Mitte der 70er Jahre. Im Jahr 1989 wurde sie erstmalig in Europa auf den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt.

Der Hörfilm auf dem Vormarsch

In Deutschland strahlen ARD und ZDF sowie 3-sat, arte, BR, MDR, NDR, RBB, SWR und WDR regelmäßig Hörfilme aus. Dabei konnte das Angebot an Hörfilmen eindeutig gesteigert werden: gab es im Jahr 1997 nur acht Sendetermine, konnten im Jahr 2010 rund  950  Hörfilm-Ausstrahlungen gezählt werden. Einen maßgeblichen Beitrag zu dieser positiven Entwicklung leistete das 1998 vom DBSV initiierte Projekt „Hörfilm“, das Grundlagenarbeit für eine Etablierung des Hörfilms in der deutschen Medienlandschaft leistete. Seit 2001 führt die vom DBSV gegründete „Deutsche Hörfilm gemeinnützige GmbH“ (DHG) diese Aufgaben fort und engagiert sich insbesondere für hochwertige Audiodeskriptionen in TV und Kino sowie für den Ausbau des Angebots von Kinofilmen und Fernseh-Erstausstrahlungen. Solch eine Audiodeskription kostet durchschnittlich 4.500 - 5000 €.

Wie entsteht eine Audiodeskription?

Audiodeskription wird in Kooperation von sehenden und nicht sehenden Menschen erarbeitet. Knapp, prägnant und ausdrucksstark sollen die Bildbeschreibungen sein, die bestimmten Regeln folgen. Die ergänzenden Texte werden im Tonstudio von professionellen Sprechern eingesprochen und mit dem Originalton abgemischt. Die Bildbeschreibungen der Hörfilme werden von speziell ausgebildeten Filmbeschreibern getextet. Die Mitwirkung eines blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen ist dabei von größter Bedeutung, da erst ein Betroffener über seine Art der Wahrnehmung komplexer akustischer Gefüge (Tonspur) Auskunft geben kann.

In ein bis zwei Durchläufen wird der Film einer ersten Analyse unterzogen, die die Wechsel von Haupt- und Nebenhandlungsebenen, die Zeitsprünge, Rückblenden, Traumsequenzen sowie die Figuren und Orte definiert und die notwendigen Beschreibungsplätze festlegt. Dann wird der Film Szene für Szene bearbeitet. Ständiges Verknappen der beschreibenden Texte gehört zu den wichtigsten Aufgaben, da die Lücken zwischen den Dialogen in der Regel nicht viel Platz für Einfügungen lassen und die Atmosphäre des Films erhalten bleiben soll.

Das NDR-Video: "Lesen statt Hören - Hören statt Sehen" zeigt, wie die barrierefreien Angebote entstehen.

Empfang von Hörfilmen

Voraussetzung für den Empfang von Hörfilmen ist eine digitale Empfangsweise: Antenne (DVBT), Kabel (DVBC) oder Satellit (DVNS). Die Audiodeskription wird auf einem zusätzlichen Tonkanal ausgestrahlt, der über das Audiomenü des Empfangsgerätes angewählt werden kann. Für den Empfang sind keine speziellen Zusatzgeräte erforderlich.